{"id":3758,"date":"2021-03-07T16:29:55","date_gmt":"2021-03-07T15:29:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/?page_id=3758"},"modified":"2021-03-08T14:29:25","modified_gmt":"2021-03-08T13:29:25","slug":"ausruestungsbeschaffung-netz-rete-fuer-den-retiarius","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/?page_id=3758","title":{"rendered":"Ausr\u00fcstungsbeschaffung Netz (Rete) f\u00fcr den Retiarius"},"content":{"rendered":"<p>Am Anfang der Darstellung steht die Frage \u2013 woher bekomme ich was? Wie die meisten, sind wir bei der Retiarius-Darstellung bei <a href=\"http:\/\/ancientempiresreproductions.com\/AER\/Retiarius.html#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AER<\/a> gestartet.<\/p>\n<p>Dort haben wir eine tolle Basisausstattung zu einem sehr einsteigerfreundlichen Preis erhalten (vgl. Abb. 1). Wenn man aber die Maschenweite von 25cm mit den Ausf\u00fchrungen von Marcus Junkelmann in \u201eGladiatoren Das Spiel mit dem Tod\u201c S.94f [2] abgleicht, stellen wir fest, dass dort Maschenweiten zwischen 10 und 20cm erprobt und f\u00fcr funktional befunden wurden. Das Material Hanf und der Netzdurchmesser mit 3,5m wird vom AER-Netz eingehalten aber es ist entgegen den Ausf\u00fchrungen von Junkelmann eckig. Hier ergeben unsere eigenen Bildauswertungen, dass sowohl runde als auch eckige Netze verwendet wurden. F\u00fcr Neugierige sei die <a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/U\u0308bersichtRetiariusDE.pdff#page=22\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seite 22<\/a> der Retiarier-\u00dcbersicht von Gregor Barth [5] empfohlen.<br \/>\nDort sieht man wunderbar beide Netzformen nebeneinander. (vgl. Abb.2)<\/p>\n<figure id=\"attachment_555\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/reti_v1_400x290.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-555\" src=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/reti_v1_400x290.png\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"210\" s\/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Retiarierausr\u00fcstung Pullus 2015<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2818\" style=\"width: 304px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb2_Netz_Retiuebersicht.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2818\" src=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb2_Netz_Retiuebersicht.jpg\" alt=\"\" width=\"304\" height=\"210\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: Netzformen \u00dcbersicht Retiarius<\/figcaption><\/figure>\n<p>Da wir noch drei der AER-Netze haben, machten wir uns auf die Suche nach einem Netzmacher der uns ein rundes Netz herstellen k\u00f6nnte. Das gestaltete sich \u00fcber Jahre als extrem schwierig und ich bekam bis 2020 kein seri\u00f6ses Angebot auf den Tisch. Aber bei einer anderen Recherche stie\u00dfen wir im Junkelmann auf S.95 auf seine alte Bezugsquelle. Die <a href=\"https:\/\/www.heberle-netze.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Firma Renate Heberle in Altusried<\/a>. Nach der Kontaktaufnahme entspann sich ein interessantes Fachgespr\u00e4ch, mit dem Fachhandwerker einer inzwischen seltenen Zunft. Im Ergebnis wurden Netzmuster aus zwei Materialien angefertigt, Hanf und Jute.(vgl. Abb. 3) Beide Werkstoffe fanden f\u00fcr Fischernetze im alten Rom Verwendung. (vgl. Bekker-Nielsen-Ancient_Nets_and_Fishing_Gear S.65f \u201e&#8230; Netze mehrheitlich Hanf, obwohl auch Jute, Flachs, Leinen und Holzfasern vorkamen\u2026\u201c [1]).<\/p>\n<p>Hier haben wir die Knotentechnik au\u00dfen vor gelassen da sie durch die extrem d\u00fcnne Fundlage von Netzen allgemein und bei Gladiatoren im Speziellen hochspekulativ w\u00e4re (ein dies illustrierendes Bild gibt es im obigen Buch auf Seite 54 und S.62 [1]). Selbst der verkohlte Netzfund aus Herculaneum wurde eher der Fischerei als der Gladiatur zugeordnet (vgl.Junkelmann S. 201 [2]). Wer hier experimentieren m\u00f6chte, dem sei die Abbildung 4 ans Herz gelegt. Wir haben f\u00fcr dieses netz einen einfachen Fischerknoten genutzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2835\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_20200404_113919-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_20200404_113919-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"size-medium wp-image-2835\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3 Netzmuster Jute 3mm\/Hanf 4mm 15cm Maschenweite<br \/><\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2823\" style=\"width: 366px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb4_Becker_Grafik-S64_Knoten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2823\" src=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb4_Becker_Grafik-S64_Knoten.jpg\" alt=\"\" width=\"366\" height=\"408\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abbildung 4, Fischernetzknoten: A: Sprang Technik, B and C: primitives knotenloses Kn\u00fcpfen (nach Seiler Baldinger), D: Palaphitisches Netz, E: \u00abcow hitch Knoten\u00bb, F: Riffknoten; G: Weberknoten<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachdem nun Gr\u00f6\u00dfe, Form und Material bestimmt waren, mussten wir uns noch auf die Materialst\u00e4rke festlegen. Dort finden wir auf S.56f vom Bekker [1] nur den Hinweis, dass die Netzst\u00e4rke mit dem Einsatzzweck korreliert und laut Homer (Il. 5.487: aphisi linou halonte panagrou) ein weit gekn\u00fcpftes Netz, welches alle f\u00e4ngt ist. Laut Junkelmann wiegt das Netz ca. 1,5kg und hatte Bleigewichte. Aus der Tabelle 1 kann man sehr sch\u00f6n sehen, dass 9m\u00b2 Netz in rund mit 6mm Seildicke (51m*0,018kg\/m) ca. 1kg wiegen w\u00fcrden; 3,57kg bei 10mm. Die Zugbelastung sollte der menschlichen Kraft \u00e4hneln, da der Einsatzzweck ja bekannt ist. Die Handkraft nach der Studie von Nadja Schreiber [4] liegt zwischen 45 und 60kg. Also muss die Seilst\u00e4rke bei sechs (mit Bleigewichten) bis 8mm liegen, wenn Junkelmanns Gewichtsangabe korrekt ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2817\" style=\"width: 501px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Tabelle1_BruchkraftGewicht_naturseile.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2817\" src=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Tabelle1_BruchkraftGewicht_naturseile.jpg\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"227\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Tabelle 1: Seileigenschaften bei 3m Netz mit 15cm Maschengr\u00f6\u00dfe ohne Bleigewichte<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir testen also eine Variante mit 6mm und eine Variante mit 8mm Seilst\u00e4rke. Das 6er-Seil wird mit einzelnen Bleigewichten beschwert um das Zielgewicht zu erreichen, beim 8er wird nur die \u00e4u\u00dferste Masche mit Bleischnur versehen um die \u00d6ffnungseigenschaften zu optimieren. Das Netz in der fertigen Version hat ein Gewicht von 3,7kg bei 6mm Seilst\u00e4rke und je einem Bleigewicht in jeder Masche.<\/p>\n<p>Da einige, fr\u00fche Darstellungen ein R\u00fcckholseil zeigen, werden wir beide Netze mit eben einem solchen ausstatten um Vor- und Nachteil zu bewerten. Bei Nichtnutzung kann es eingeknotet oder abgeschnitten werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2824\" style=\"width: 383px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb5_Protoretiarius_negativ.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2824\" src=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb5_Protoretiarius_negativ.jpg\" alt=\"\" width=\"383\" height=\"294\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abbildung 5: Negativbild Chrysippus-Kelch Protoretiarius<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Wurfeigenschaften des Rundnetzes unterscheiden sich massiv von denen eines eckigen Netzes. Wir haben verschiedene Wurftechniken ausprobiert und als praktikabelste stellten sich ein einfacher Rand-Mittelgriff oder f\u00fcr k\u00fcrzere Retiarii, ein Dreifachgriff um den Netz\u00fcberhang an die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe anzupassen, dar. Hier wird noch weiter getestet, jedoch kann man mit dem Halten des \u00e4u\u00dferen Randes zwischen kurzem und langem Wurf ansatzlos variieren. Das Rundnetz entfaltet sich sehr leicht und hat die angenehme Eigenschaft, nicht zu verheddern. Das erm\u00f6glicht eine Wiederaufnahme und einen sauberen Nachwurf.<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich diese erste Variante als nahezu perfekt f\u00fcr einen 1,88m gro\u00dfen, mittelkr\u00e4ftigen Retiarius herausgestellt hat aber auch von 1,68m Retiarii benutzbar ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2825\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb6_Netzwurf_kurz_Artikel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2825\" src=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb6_Netzwurf_kurz_Artikel.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abbildung 6: Netzwurf kurz<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2826\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb7_Netzwurf_lang_2_Artikel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2826\" src=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Abb7_Netzwurf_lang_2_Artikel.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abbildung 7: Netzwurf lang<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als Abschluss wollen wir euch nur noch einige Kuriosums aus dieser Recherche mitgeben:<\/p>\n<p>1. Spielplatznetze in Deutschland haben eine zul\u00e4ssige Maschengr\u00f6\u00dfe bis 10cm oder ab 25cm (Sicherheitsaspekte)\u2013 der Retiarius, mit der Maschengr\u00f6\u00dfe in der Mitte, ist also auch gem\u00e4\u00df deutscher Norm ein Menschenf\u00e4nger.<\/p>\n<p>2. Seile aus Jute d\u00fcrfen nicht bei der Sicherung von Schwertransporten verwendet werden. \u2013 daher auch ungeeignet f\u00fcr den Einsatz gegen Secutoren<\/p>\n<p>3. Inschrift aus Pompeii, welche die Handkraftthese unterst\u00fctzt: \u201eCrescens retiarius puparum nocturnarum\u201c (Crescens, der nachts mit seinem Netz die Puppen f\u00e4ngt)<\/p>\n<p><em>Valete euer Pullus<\/em><\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>[1] T. Bekker-Nielsen &amp; D. B. Casasola: \u201eAncient nets and fishing gear\u201c. In: Servicio de Publicaciones de la Universidad de C\u00e1diz (Hrsg.): Proceedings of the international workshop on \u201aNets and fishing gear in classical antquitiy: a first approach\u2018 (2007)<\/p>\n<p>[2] M. Junkelmann: \u201eGladiatoren: Das Spiel mit dem Tod\u201c (2008) ISBN: 978-3805337977<\/p>\n<p>[3] DIN-EN 1261 alt DIN 83325 Faserseile f\u00fcr allgemeine Verwendung &#8211; Hanf; Deutsche Fassung EN 1261:1995<\/p>\n<p>[4] Richtwerte wurden Im Fachmagazin \u201ePlos one\u201c ver\u00f6ffentlicht. Sie basieren auf einer Studie der Soziologin Nadja Schreiber, Universit\u00e4t Wien<\/p>\n<p>[5] Herkunft und Werdegang des Retiarius von Gregor Barth, ver\u00f6ffentlicht auf <a href=\"https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/U\u0308bersichtRetiariusDE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.gladiatorenschule-berlin.rocks<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Anfang der Darstellung steht die Frage \u2013 woher bekomme ich was? Wie die meisten, sind wir bei der Retiarius-Darstellung bei AER gestartet. Dort haben wir eine tolle Basisausstattung zu einem sehr einsteigerfreundlichen Preis erhalten (vgl. Abb. 1). 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